Das Athleten-Leben von Profi-Sportlern hat für mich eine große Romantik. Mahlzeiten, die perfekt auf die Trainingsziele ausgelegt und den Sportlern vor allem fertig zubereitet vorgesetzt werden, mehrere Trainingseinheiten pro Tag und dazwischen die Erholung maximieren. Das alles klingt für mich nach purem Luxus.
Entsprechend hyped war ich, als der Gedanke aufkam, ein Athletik Docks-Trainingscamp zu veranstalten.
Doch bevor du hier schon aufhörst zu lesen, weil du denkst: “Das klingt für dich nach Luxus? Für mich klingt das nach einer Bestrafung!” Hear me out!
Inhaltsverzeichnis
Hier findest du das Video zum Camp
Was uns im Weg steht
Das große Hindernis im Leben von uns allen sind doch meistens die alltäglichen Verpflichtungen. Nach 12 Stunden im Büro noch zum Training zu fahren, obwohl man viel lieber auf der Couch abschalten würde, danach noch 10 Minuten vor Ladenschluss in den Supermarkt um etwas halbwegs vernünftiges zum Abendessen zu kaufen und das dann auch noch zuhause zuzubereiten, bevor man viel zu spät ins Bett kommt und am nächsten Tag wieder um sechs aufstehen muss, das klingt nach Bestrafung.
Was toll wäre
Morgens um acht ausgeschlafen zum wolkenlosen Himmel aufzuwachen, in aller Ruhe eine ganz entspannte Runde im Pool zu drehen, bevor man sich um halb neun zum Frühstück trifft, klingt doch schon direkt viel besser. Um kurz vor zehn damit zu beginnen, sich bei perfekten 21 Grad unter freiem Himmel für das Training aufzuwärmen, während man auf das weite Mittelmeer blickt und bei lockerem Schnack auf den Beginn der ersten Trainingseinheit wartet.
So begann jeder Tag in unserem Trainingscamp, das wir letztes Jahr zum ersten Mal auf Mykonos veranstaltet haben.
Im Vorhinein haben wir uns natürlich viele Gedanken darüber gemacht, wie so etwas funktionieren kann. Der Grundgedanke war immer: Warum gibt es eigentlich Yoga-Retreats und Fasten-Kuren wie Sand am Meer, aber niemand veranstaltet Trainings-Camps wie für Profi-Sportler? Das wollten wir ändern.
Das ging natürlich mit einer ganzen Reihe von Schwierigkeiten einher.
Die Schwierigkeiten
Dass das Training dort bei einer Gruppe nicht genau so funktionieren kann wie in der gewohnten eins zu eins Atmosphäre war klar. Dazu kam noch, dass die Gruppe sowohl alterstechnisch als auch was die Trainingserfahrung angeht, sehr heterogen war und wir auf jeden Fall zwei Mal pro Tag trainieren wollten. Wir wussten von einigen gesundheitlichen Einschränkungen, wie Verletzungen oder Erkrankungen und natürlich unterschiedlichen Zielsetzungen unserer Teilnehmenden. Auch das Trainingsequipment entsprach nicht ganz unserer gewohnten Umgebung. Der Trainingsplan musste also all das berücksichtigen. Wir entschieden uns deshalb dafür, an jedem Tag jeweils eine schwere Trainingseinheit morgens zu absolvieren, wenn der Körper noch voll ausgeruht und frisch ist, um an der Kraftentwicklung zu arbeiten. Nachmittags gab es dann jeweils eine leichtere Trainingseinheit, bei der es viel mehr darum ging, die Muskulatur isolierter auszubelasten. Außerdem überlegten wir uns schon im Vorhinein für jede Übung mindestens eine Alternative für den Fall, dass Schmerzen oder körperliche Beschwerden der optimalen Ausführung im Weg stehen würden oder die ursprünglich gedachte Übung zu schwer wäre.
Beim Aufwärmen gingen wir dann auf Mykonos mit allen Teilnehmenden die Übungen durch und fanden die am besten geeigneten Einstiegsgewichte und die passende Variante für jede einzelne Person.
So gelang es uns trotz einer heterogenen Gruppe ein wirklich produktives und möglichst individualisiertes Training für alle auf die Beine zu stellen und schon am ersten Tag regnete es persönliche Bestleistungen.
Dabei spielte sicherlich auch die extrem motivierende und unterstützende Gruppendynamik eine Rolle, die sich wirklich schnell entwickelte. High Fives, Applaus und verbaler Ansporn – gepaart mit dem ein oder anderen wohlgemeinten Nackenklatscher – trieben die Stimmung weiter voran.
Ein weiterer Wunsch, den wir uns auf jeden Fall erfüllen wollten, war, die volle Kontrolle über die Mahlzeiten zu haben, ohne dass wir jeden Tag selber kochen müssten. In diesem Hinblick zeigte sich das Hotel sehr kooperativ. Die Küche stellte uns mit viel Liebe (und viel Arbeit) einen Mahlzeitenplan zusammen, mit dem wir am Ende wirklich zufrieden sein konnten. Wer uns kennt weiß, dass eine Mahlzeit mit weniger als 50 Gramm Eiweiß keine richtige Mahlzeit für uns ist, dass dabei der Genuss aber auch nicht zu kurz kommen darf.
Doch zuerst weiter zum Tagesablauf
Nach der ersten Trainingseinheit des Tages, die alles in allem ca. 90 Minuten dauerte, gab es immer zuerst etwas Zeit, sich auf dem Zimmer oder in der Sonne etwas auszuruhen, bevor man sich danach entweder zum Eisbaden getroffen hat, eine entspannte Runde im Pool drehen oder einfach nur die Füße hochlegen konnte.
Für mich persönlich waren dabei die Eisbade-Sessions das große Highlight. Ich hatte schon vor dem Trainingscamp ein bisschen Erfahrung mit Eisbaden gesammelt, weshalb es für mich nicht ganz neu war. Ich wusste, wie es sich anfühlt, in zirka acht Grad kaltes Wasser zu steigen und wie sich dabei alles zusammenzieht. Wie der Körper eine Art “Panikreaktion” auslöst und das Atmen zuerst schwerfällt. Wenn man sich allerdings ganz auf die Atmung konzentriert und versucht, diese zügig wieder in den normalen Rhythmus zu bringen, dann gewöhnt man sich ganz schnell an die eisige Kälte und kann schon nach kurzer Zeit deutlich entspannter ausharren. Besonders wenn das Gesicht und die Hände dabei außerhalb des Wassers von der Sonne gewärmt werden, entsteht ein wunderbar entspannendes Gefühl. Wenn man nach zwei bis fünf Minuten dann aus dem Kältebad heraussteigt und beginnt, sich abzutrocknen, fühlt sich das Handtuch etwas eigenartig an, führt aber dazu, dass man unmittelbar spürt, wie sich der Körper wieder aufwärmt. Mir hat es besonders viel Spaß gemacht, die Teilnehmenden, die noch keine Erfahrung damit hatten, an das Eisbaden heranzuführen und ich fand es beeindruckend, wie offen die meisten dafür waren und wie begeistert sie nach ihrem ersten Versuch gewesen sind.
Danach ging es meist direkt zum Mittagessen. Die Mahlzeiten waren für mich ein weiteres Highlight und ich habe mich jeden Tag darauf gefreut.
Das Essen
Morgens konnte man sich á la carte ein Frühstück aus einem “Hauptgericht” und zwei Sides zusammenstellen. Die Auswahl reichte von Omelettes und Pancakes, pochierten Eiern und Rührei über Acai-Bowls zu Protein-Bites, Overnight Oats und griechischem Joghurt.
Sowohl mittags als auch abends gab es jeweils Vorspeisen im Shared-Plates-Style, ein Hauptgericht mit Fisch, Fleisch oder einer veganen Alternative und auch an Desserts hat es nie gefehlt.
Zusammen mit den anderen Coaches und Mitgliedern den bisherigen Tag Revue passieren zu lassen, hat immer viel Spaß gemacht und oft die ein oder andere Anekdote zu Tage gefördert, die man sonst vielleicht verpasst hätte.
Nach dem Mittagessen war weiterhin genug Zeit zum Ausruhen und die Meisten haben die etwa anderthalbstündige Mittagspause genutzt, um die Füße hochzulegen und in der Sonne oder im Zimmer ein bisschen die Augen zu schließen.
Gegen 16:30 Uhr haben wir uns dann für die Nachmittags-Trainingseinheit getroffen. Die einzige Ausnahme bildete der Mittwoch, denn dort unternahmen wir einen Boots-Ausflug, deshalb musste die zweite Einheit ausfallen. Ich glaube aber, dass alle darüber ganz froh waren.
Die Entspannung
Nach dieser Trainingseinheit trafen wir uns dann tendenziell eher im Hot-Tub, zum gemeinsamen Entspannen und runterkommen.
Mit dem Abendessen endeten dann die meisten Tage, wobei manche von uns dort noch etwas länger zusammengesessen haben und manche sich schon in die wohlverdiente Nachtruhe verabschiedet haben. Das war sicherlich auch keine schlechte Idee, denn auch der nächste Tag verlangte den Teilnehmenden wieder viel ab.
Mein Fazit
Alles in Allem würde ich sagen, dass das Trainingscamp zwar anstrengend war, aber auch viel Spaß gemacht hat und ich würde behaupten, dass alle Teilnehmenden das genau so sehen. Zwei Trainingseinheiten am Tag zu haben funktioniert rückblickend betrachtet auch wirklich gut, wenn der Rest des Tages zu 100% der Regeneration gehört. Abends todmüde ins Bett zu fallen, morgens mit Lust auf den Tag wieder aufzustehen, Sonne und gutes Wetter, sowie tolle Gesellschaft zu genießen und einfach mal mit einem richtig guten Gewissen und guten Gefühl aus dem Urlaub zurückzukommen war für mich persönlich ein Highlight und ich kann nur eine uneingeschränkte Empfehlung für alle aussprechen. Ganz unabhängig von Alter, Trainingserfahrung oder körperlichen Voraussetzungen.
Wenn meine Erfahrung dein Interesse geweckt haben, dann werde Teil von Athletik Docks und melde dich noch schnell für unser nächstes Trianingslager an.
Jonas – Headcoach Altona


